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Glaube - Leben - Popkultur

Ostern ohne Kirche

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Wenn du zur Zeit keine Kirche hast, die du als “deine Kirche” bezeichnen würdest, ist das völlig normal. Wenn es keine Gemeinde gibt, wo man deinen Namen kennt und du mit deinen Zweifeln und Hoffnungen Platz hast, dann bist du nicht allein. Vielen geht es so, besonders wenn sie zwischen 20 und 35 sind – und damit in dem Alter, das in den meisten Kirchen nicht wirklich vorgesehen ist. Während der Kar- und Ostertage ist das besonders schwierig. Eigentlich verlangen die Geschichten dieser Tage nach einer Gemeinschaft, die sie miteinander teilt und sich von ihnen verwandeln lässt. Wenn du aber keinen Ort hast, an dem du Ostern feiern kannst, dann haben wir ein paar Ideen, wie du zur Not allein, zu zweit oder zu dritt vom Gründonnerstag zum Ostermorgen kommst:
  1. Am Gründonnerstag jemandem die Füße waschen. Oder so. Ok, vielleicht nicht tatsächlich Füße zu waschen, denn es könnte schwierig werden, jemanden dazu zu bewegen, vor dir Schuhe und Socken auszuziehen. Denke eher an das, was es bedeutet, wenn Jesus seinen Jüngern im Johannesevangelium die Füße wäscht. Wem kannst du an diesem Tag dienen, gerade dann, wenn er es von dir nicht erwartet?
  2. Die Nacht zum Freitag durchwachen. In vielen Kirchen machen Menschen die Nacht durch, um sich an die Einsamkeit Jesu im Garten Gethsemane, bei seiner Gefangennahme und vor dem Hohen Rat zu erinnern. Wenn es für dich keine passende Kirche gibt, eignet sich auch ein Ort, an dem du dir Leid, Einsamkeit und Verzweiflung gut vor Augen führen kannst. Ein paar Stunden im Wartebereich der Notaufnahme dürften für den Anfang reichen.
  3. Zeit vor einem Kreuz verbringen. Karfreitag ist ein stiller Tag. Nutze die Zeit zur Meditation. Vielleicht irgendwo draußen auf einer Bank vor einem Wegekreuz. Es kann anstrengend sein, einfach eine Stunde da zu sitzen und dem Anblick des Gekreuzigten nicht Ausweichen zu können. Der Tod wird oft genug verdrängt. Heute braucht er Platz.
  4. Einen Friedhof an Karfreitag besuchen. Friedhöfe können nicht nur kunsthistorisch interessante Orte sein. Sie sind auch beeindruckende Zeugnisse der Glaubenserfahrungen Verstorbener. Du kannst die Sprüche auf den Gräbern lesen und über deine eigenen Ängste, Zweifel und Hoffnungen in Bezug auf Tod und Auferstehung nachdenken – und vielleicht auf manchen Gräbern unbekannterweise ein kleines Zeichen deines Besuches als Dank zurücklassen.
  5. An Karsamstag raus in die Natur. Mach einen laaangen Spaziergang, noch besser: eine richtige Wanderung. In der Spannung von Tod und Auferstehung, mitten in der “Grabesruhe” sozusagen, singt die Natur schon ein ganz anderes Lied. Es gibt keinen besseren Tag im Jahr, um wichtige Lebensentscheidungen in Ruhe zu bedenken…und zu treffen.
  6. Den Sonnenaufgang am Ostermorgen schauen. Die Sonne ist ein zentrales Symbol für die Auferstehung. Wann hast du zum letzten Mal einen Sonnenaufgang bewusst miterlebt? Hier kannst du sehen, wann bei dir am Sonntag das Licht die Dunkelheit besiegt. Ein guter Platz draußen, am besten an einem erhöhten Ort, vielleicht eine Thermoskanne mit Kaffee und die Geschichte vom leeren Grab – mehr brauchst du nicht.
  7. Einen alten Freund wiedertreffen. Ruf jemanden an, den du schon fast aus den Augen verloren hast. Wir sind sicher, es gibt so jemanden in deinem Leben. Unternehmt etwas, fahrt irgendwohin, geht spazieren, esst gemeinsam. Erzählt euch wie euer Leben läuft, welche Niederlagen ihr ertragen musstet und welche Veränderungen vor euch liegen. Es gibt keine Garantien für Emmaus-Erfahrungen, aber das sind schon mal gute Voraussetzungen.
  8. TheLiturgists hören. Es ist lange her, dass wir ein so schönes, inspirierendes und brutal ehrliches Kunstwerk zu Ostern erlebt haben, wie “Garden” von TheLiturgists. Es ist nicht einfach Musik, es ist tatsächlich eine Art Liturgie, die dich mitten hineinzieht in die die ganze Dramatik von Tod und Auferstehung, die ausdrückt, was du selbst nicht sagen kannst, und dir hilft zu beten, selbst wenn du nicht dran glaubst.
Christian Schröder ist Gründer des Manna Magazins. Als Pastoralassistent leitet er die Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

 

Christian Schröder

Christian ist Gründer von Manna und liebt gute Geschichten und beide Sorten Football. Seit 2013 ist er geistlicher Leiter von kafarna:um, einer Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

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1 Kommentar

  1. Starke Vorschläge!

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