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Glaube - Leben - Popkultur

The key to happiness

schlüssel_mighty June

Bild: Mighty June / flickr.com (CC BY 2.0)

 

Ich mag Schlüssel! Schon als Kind spielte ich besonders gerne mit den alten verrosteten Schlüsselbunden, die bei meinem Vater in der Werkstatt herumlagen und malte mir aus, dass sie mir eines Tages die Tür zu einer geheimen Kammer, eine Schatztruhe oder die eleganten Flügeltore eines Märchenschlosses öffnen würden. Mit der Zeit wurde unser Verhältnis dann etwas nüchterner: Schlüssel waren etwas, das man nicht vergessen durfte, wenn wir draußen Inlineskaten und die Eltern gerade nicht da waren. Notfalls hatten zwar auch die Nachbarn einen, aber bei denen wollte man ja nicht unbedingt klingeln…viel zu peinlich! Als Jugendliche lernte ich irgendwann, dass Schlüssel eine knappe Ressource waren, die meistens nur Leute besaßen, die Macht und Einfluss hatten – den Schlüssel zum Eine-Welt-Laden musste man z.B. bei der Sekretärin abholen oder den Schlüssel zum Pfarrzentrum zu nicht immer stundenplankompatiblen Öffnungszeiten im Pfarrbüro. Wie stolz war ich da, dass meine Geschwister mir (heimlich) den seit Jahrzehnten im Familienbesitz befindlichen Schlüssel zum Messdienerkeller irgendwann vererbten…

Am Dienstag hätte ich nun eigentlich einen Schlüssel abgeben müssen. Es war mein letzter Tag als studentische Hilfskraft an der RWTH Aachen, bevor es mich für fast fünf Monate in die USA verschlägt. Dass ich zwischen Kaffee, Kuchen und Abschiedsgeschenken dann doch verpeilt habe, ihn ordnungsgemäß der Sekretärin zu überreichen, liegt vielleicht auch daran, dass es ein ganz besonderer Schlüssel ist: Einmal ins Schloss gesteckt, zeigt er mir mittels eines elektronischen Displays automatisch an, ob ich die Zutrittsberechtigung zu einem Raum besitze oder nicht. Lächelt der Smiley im Display, kann ich den Schlüssel butterweich im Schloss drehen und gelange in den dahinterliegenden Raum; guckt er böse, ist der Raum für mich unerreichbar. Das war vor allem in meiner Anfangszeit als HiWi ziemlich praktisch, um schnell und elegant zu lernen, in welche Räume ich reinkomme und wo alles ruckeln, drücken und ziehen nichts nutzt.

Genau so eine Art von Schlüssel würde ich mir gerade so ein bisschen für mein Leben wünschen: Ein technisches Wunderwerk, dass mir jetzt schon anzeigt, wie mein Auslandsaufenthalt so sein wird. Ob meine „Schlüsselkompetenzen“ auf die Anforderungen meines Forschungspraktikums passen, welche neuen Räume sich mir durch die Erfahrungen in Boston erschließen werden, auf all das bin ich extrem gespannt und neugierig. Mein inneres Sicherheitsbedürfnis würde für eine kleine Sneak-Preview ziemlich viel geben, schließlich könnte ich mich dann am aller-aller-optimalsten vorbereiten…so optimal, dass es letzten Endes vermutlich gar keine Überraschungen mehr gäbe. Darum bin ich froh, dass Sarah, eine gute Freundin und Kollegin mit zum Flughafen kommt. Der kann ich dann in letzter Sekunde noch schnell den Schlüssel in die Hand drücken. Und dann flieg ich einfach mal so los. Über den Wolken…und vielleicht mit einem kleinen Dietrich im Koffer :-)

 

Maike_SiebenMaike Sieben aus Erkelenz hat Gründung und Pleite ihres ersten Startups, einer Kellerkirche im rheinischen Braunkohlerevier, schon hinter sich (siehe hier). Sie studiert in Aachen VWL und Soziologie und hat gerade ein Auslandssemester in den USA begonnen.

 

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