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Glaube - Leben - Popkultur

Was wirklich zählt

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Innenverteidiger Mats Hummels in Aktion. Foto: Christopher Hoffmann

Kaum neigt sich die Bundesligasaison dem Ende entgegen, sprießen sie aus dem Boden wie frischer, grüner Rasen im Frühling: Transfergerüchte! Da freut es mich als Dortmund-Fan, dass Mats Hummels nun klargestellt hat, dass er auch weiterhin beim BVB kicken möchte. Und noch mehr imponiert mir seine Begründung, die er im Interview gegenüber BILD am vergangenen Wochenende so auf den Punkt brachte: “Ich muss nicht acht Meisterschaften haben am Ende meiner Karriere. Ich will lieber etwas Besonderes gemacht haben. Und das war bisher hier ganz klar der Fall.” Ja, es war “etwas Besonderes”, was sich in den letzten Wochen in Westfalen und an anderen Sportstätten der Bundesrepublik und in Europas abgespielt hat. Mager war die Leistung in Madrid ausgefallen, als die Dortmunder mit einem 0:2 aus Spanien zurückkehrten. Und zuvor hatten sogar die eigenen Fans mit Pfiffen reagiert, als die Mannschaft zu Hause erneut nicht wie in vergangenen Zeiten überzeugen konnte. Eine Besserung der vom Verletzungspech heimgesuchten Borussen war ebenfalls nicht in Sicht – Gündogan, Bender, Subotic, Blaszczykowski und Schmelzer konnten ihrer Elf nur zusehen, als der schwarz-gelbe Zenit  für viele Sportjournalisten bereits für die kommenden Jahre überschritten schien und die Kritik an Trainer und Team immer lauter wurde. Ja, da schafften die Spieler von Jürgen Klopp “etwas Besonderes”. Innerhalb von nur einer Woche zogen sie ins Pokalfinale ein und besiegten Real und die Bayern. Dortmund, ein Frühlingsmärchen.

“Ich hole lieber hier eine Meisterschaft als wichtige Figur, als vier Meisterschaften als Teilzeitkraft”, so Hummels weiter.  Auch der 25-jährige Dortmunder wünscht sich Erfolg. Aber er weiss auch: Es gibt im Leben noch mehr! Er stellt sich nicht zuerst die Frage: Was will ich verdienen? Wie viele Trophäen will ich mir anhäufen? Er weiss, dass das am Ende seiner Karriere, die immer auch ein Teil des gesamten Lebens ist, für ihn nicht entscheidend sein wird. Hummels fragt existentieller: Wer will ich sein? Wo kann ich meine Stärken sinnvoller einbringen? Der 1,92 Meter große Profifußballer zeigt so auch innere Größe. Er bleibt im Pott – und verzichtet dafür vielleicht auf so manchen Pott aus Edelmetall. Er könnte in Barcelona wesentlich mehr verdienen – und erteilt der Option doch bewusst eine klare Absage. Ob er diese sokratische Weisheit von seinem griechischen Kollegen in der Innenverteidigung hat?

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Der BVB nach dem Schlusspfiff. Foto: Christopher Hoffmann

Sie entspricht in jedem Fall auch dem christlichen Verständnis von Leben: Es kommt nicht darauf an, was du besitzt. Nicht darauf, wie viel Geld oder wie viele Titel du dir anhäufst. Nicht die Quantität zählt. Es geht darum, wer du bist und wie du bist. Und darum, dass du auch dann wieder aufstehst, wenn der Ball und wenn es im Leben überhaupt mal nicht so rund läuft. Dich nicht aus dem Staub machst, wenn “deine Mannschaft” dich braucht. Gerade dann erlebt man sie, die “besonderen” Momente. Ein wichtiger Gedanke, finde ich.  Das ist maximal, Mats!

 

Christopher Hoffmann

Christopher Hoffmann ist Pastoralreferent im Rheinland. In seiner Freizeit macht er gerne Musik in einer Band und im Bonner Jazzchor. Neben musikalischen Manna-Momenten sucht er besonders auch in der Begegnung mit Menschen nach Gottes Spuren in unserer Welt.

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